Köln

ONE / OTHER
Selbstportraits und Portraits

2. Dezember 2016 – 4. Februar 2017

Berlin

ONE / OTHER
Selbstportraits und Portraits

2. Dezember 2016 – 4. Februar 2017

  • Alexander Lobanov, ohne Titel, Mischtechnik auf Papier, 42 x 29 cm

Mit Arbeiten von Morton Bartlett, William Crawford, Margarethe Held, Paul Humphrey, Aurel Iselstöger, Alexander Lobanov, Margret, Obsession, Michail Paule, Miroslav Tichy, Type 42, Eugene von Bruenchenhein

Dank der positiven Resonanz auf die auf der Independent New York präsentierten ONE/ other und auf der Independent Brüssel gezeigten OTHER/ one führt Delmes & Zander die beiden Ausstellungskonzepte in einer gemeinsamen Ausstellung zusammen und zeigt nun zeitgleich ausgewählte Portraits und Selbstportraits in der Berliner und der Kölner Galerie. In ONE/ OTHER enthüllen die Werke alles über ihre Autoren – sie spiegeln den Künstler unverfroren wieder, egal ob er sich selbst oder seinen Gegenüber portraitiert. Unabhängig von ihrem Sujet enthüllen die Fotografien und Zeichnungen eine obsessive Sehnsucht danach, ein idealisiertes Bildnis oder eine Identität wiederholt festzuhalten.

William Crawford porträtiert sich im Zentrum seiner sexuellen Fantasien: Es sind detaillierte, graphische Inszenierungen, in denen Crawford immer die Hauptrolle spielt. In seinen leuchtend farbigen Arbeiten präsentiert sich Alexander Lobanov in heldenhafter Pose, geschmückt mit einer Kalaschnikow und sowjetischen Symbolen – das Bild eines furchtlosen Mannes, ein klassischer Held.

Die Portraits zeigen ihre Autoren zeitweise auch als Leidende, Opfer der Last der Welt: Michail Paule ist die bedrohte Figur inmitten eines traumhaften und unheimlichen Ortes. Die Selbstporträts von Aurel Iselstöger zeigen ihn mit einem grotesken Lächeln, als wäre sein Mund eingerissen, aber in Schweigen geschlossen, seine Augen auf den Boden gerichtet. In den Photocollagen von Obsession, fügt sich der anonyme Autor, der Frauen auf dem Scheiterhaufen oder kurz vor der Enthauptung darstellt, selbst in das Bild und zwar sowohl als Scharfrichter als auch als Opfer seiner selbst.

Paul Humphrey schließt beim Zeichnen die Augen seiner Portraits, wodurch er seine Sleeping Beauties in sanftmütige Frauen verwandelt, gefügig und unschuldig. Morton Bartlett formt seine Puppen von Hand mit kleiner, kindlicher Statur und fotografiert sie anschließend, als seien sie für sein privates Familienalbum. Die Porträts von Margret, aus der Komplizenschaft einer Liebesaffäre entstanden, zeigen sie als idealisiertes Geschöpf ihres Geliebten und Chefs. Auch Eugene von Bruenchenhein portraitiert seine Frau Marie in der intimen Sphäre ihrer hermetischen Häuslichkeit mal als exotische Prinzessin, mal als Hollywood-Schönheit.

Zu ihrer Akribie und Stringenz haben diese Werke bisweilen auch etwas Archivarisches. Dies gilt nicht nur für Miroslav Tichy, der sich zum Ziel gesetzt hatte, jeden Tag einhundert Frauen zu fotografieren, sondern auch für das anonyme enzyklopädische Werk Type 42 oder auch für Margarethe Helds Lebenswerk Unkontrollierbares Universum, ein Versuch, die von inneren Visionen entfesselte Welt in einem Buch festzuhalten, das die Bilder, die ihr aus dem Jenseits zuteil wurden, vereint.

ONE / OTHER zeigt das ständige Bemühen dieser Künstler, ein Bild von sich selbst oder des Anderen zu erschaffen und es zu formen. Ihr Werk ermöglicht es ihnen die Persona zu verwirklichen, die sie für erstrebenswert halten. Jeder der Künstler widmet sein Werk einem einzigen Subjekt, das dem Künstler in gleicher Weise ausgeliefert ist, wie der Künstler Opfer seiner Obsession ist.