Der in Frankreich geborene Andre Robillard, Jahrgang 1932, wurde mit 19 aufgrund seines aggressiven
Verhaltens in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. 1964 begann er aus Fundstücken, unter anderem Patronenhülsen, Blechdosen und Plastikstücke,
Gewehre zu bauen. Aus einfachsten Holzstücken schnitzt er Kolben, an die er mit Klebeband zahlreiche seiner Fundstücke wickelt, um Waffen und
Maschinengewehre so detail getreu wie möglich nachzuempfinden.
Mit schwarzem Filzstift gibt er ihnen Struktur, auf hölzernen Kolben schreibt er Typenbezeichnungen und einzelne leere Schrotpatronen sollen
die Echtheit der Waffen noch bestärken. Obwohl alle Gewehre in Form und Größe einander ähnlich erscheinen, hat jedes seinen höchst individuellen
Charakter Neben seinen Objekten zeigen seine Zeichnungen astronomische Motive von Planeten, Sternen und Raumschiffen.
Fundstücke, Fetisch, Magie
Über ein Dutzend entlang der Wand aufgereihte künstlerische Maschinengewehre verwandeln die Galerie in ein Waffenarsenal. Etwa im Jahre 1964
hat der Franzose Andre Robillard (Jahrgang 1932) plötzlich begonnen, diese Gewehre aus Holz und allerhand Alltags - Fundstücken zu bauen.
Da hatte er bereits drei Jahrzehnte in einer psychiatrischen Anstalt in der Nähe von Paris gelebt, in die er als Neunzehnjähriger wegen
aggressiven "Verhaltens" eingeliefert worden war.
Nach dem er viele Jahre als Anstaltsgärtner gearbeitet hatte, lebt der inzwischen pensionierte Einundsiebzigjährige heute immer noch dort.
Ansonsten sind nur wenige biographische Details aus dem Leben des künstlerischen Autodidakten bekannt, der neben seinen Objekten immer wieder
auch kleine Zeichnungen anfertigt, insbesondere von Vögeln und Fischen. Wie immer bei Künstlern, die der sogenannten "Art Brut" zugeordnet
werden, bestimmt eine faszinierende Verflechtung aus eigenwilliger Gestaltungstechnik und individueller Symbolik auch die Werke Robillards.
Aus einfachen Holzstücken hat er einen Kolben geschnitzt, an die er mit Klebeband zahlreiche Fundstücke wickelt, um Maschinengewehre zu
konstruieren, die so detailgetreu wie möglich wirken sollen.
Metallene Stuhlbeine und alte Rohre dienen als Lauf, eine blaue Plastikscheibe als Magazin. Er sammelt alles auf, was ihm zum Bau des
Waffenkorpus geeignet erscheint: leere Sardienenbüchsen, alte Bleche, Drähte, Türklinken, die Gummiräder von Einkaufswagen und sogar
Glühbirnen. Mit schwarzem Filzstift gibt er ihnen eine zeichnerische Struktur, auf den hölzernen Kolben schreibt er Typenbezeichnungen,
und einzelne leere Schrotpatronen sollen die "Echtheit" der Waffen noch bestärken.
Obwohl alle Gewehre in Form und Größe einander ähnlich erscheinen, hat jedes seinen höchst individuellen Charakter. Kompliziert verklebt,
verdrahtet, geleimt und genagelt verbindet Robillard ein ungebrochenes kindliches Gestaltungsgeschick mit der Beharrlichkeit einer
künstlerischen Besessenheit. Selbstverständlich lautet die erste Frage, warum das Objekt seiner Begierde ein Gewehr und nicht irgendein
anderer Gegenstand der uferlosen kulturellen Dingwelt ist. Ist es für ihn das Symbol für Krieg und größte menschliche Gewalt? Sieht er
darin ein Zeichen grundsätzlicher Macht und Stärke? Oder ist vielleicht sogar ein zärtlicher, sehnsuchtsvoller Moment eines Maschinengewehrs
verbunden?
Hilfreich ist der Hinweis, daß Robillard als Kind oft seinen Vater auf die Jagd begleitet hat. So knüpft er mit den künstlerischen Gewehren
unmittelbar an seine Kindheitserlebnisse und - Empfindungen und an sein Vaterbild an. Und während sie wie ganz private Erinnerungs - Fetische,
imaginäre Machtinstrumente und magische Objekte wirken, die das Frühere fortwährend mit dem Gegenwärtigen verbinden transportieren sie doch
zugleich eine ganz allgemeine Be-Deutung von Waffe, die in die Phantasie aller Menschen hineinragt.
Jürgen Kisters