Der Schreinergeselle Karl Junker (1850 – 1912) machte sich über Hamburg auf den Weg nach München, wo er zuerst an der Kunstgewerbeschule studierte und sich 1875 an der Akademie der Bildenden Künste einschrieb. Im selben Jahr durch eine Erbschaft finanziell unabhänging geworden, trat er 1877 eine mehrjährige Reise nach Italien an, auf der Zeichnungen und architektonische Entwürfe entstanden. 1881 kehrte Junker nach Lemgo zurück, 1889 began er dort mit dem Bau seines Hauses, in das er 1891 einzog. An diesem Fachwerkhaus sollte Junker Zeit seines Lebens arbeiten. Er überformte jeden Winkel mit Schnitzwerk, malte, baute Möbel und schuf sich eine eigentümliche Wohnskulptur. Obschon es in der Größe wie in der Ausstattung als Familiendomizil angelegt war, bewohnte Junker das Haus bis an sein Lebensende allein. Er lebte sehr zurückgezogen, war jedoch bereit, seinen Wohnsitz interessierten Besuchern zu zeigen.
Das ungewöhnlich beharrliche und abgeschiedene künstlerische Schaffen in einem kleinstädtischen Lebensumfeld verstärkte Junkers Ruf als Einsiedler und Sonderling. Bis heute wird in der Fachwelt darüber diskutiert, ob Anzeichen für eine schizophrene Störung nachweisbar sind. Das Lebenswerk Junkers befindet sich seit 1962 im Besitz der Stadt Lemgo und steht als Museum Jukerhaus Lemgo Besuchern offen.
WELTENWANDLER - FRANKFURT, SCHIRN - Die Kunst der Outsider. Katalog hrsg. von Martina Weinhart & Max Hollein. Frankfurt 2010/11. 4to. 256 S. mit 187 (159 farb.) Abb., Text in dt. & engl. Sprache.
„Stadtbild“
Öl auf Holz, 53 x 84 x 11cm
„Portrait eines Jungen“
Öl auf Holz, 35 x 29 x 5 cm
ohne Titel
Öl auf Holz, 45 x 19 x 43 cm
ohne Titel
Mischtechnik auf Papier, 35,5 x 22,5 cm