artist unknown #3
Type 42 (Anonymous)

11. April - 5. Juni 2014
Eröffnung: Freitag, 11. April, 18 - 22 Uhr


ART COLOGNE
10-13 April 2014
Booth D40
  • Type 42 (Anonymous), ohne Titel (Sharon Acker, Virna Lisi, Anita Pallenberg, Ali MacGraw), ArchivNr. TP038/ TP501/ TP056/ TP036), ca.1960er-70er, Mischtechnik auf Fotografie, 8,3 x 10,8 cm

Das Konvolut wurde im Frühjahr 2012 in New York entdeckt. Das Archiv war intakt, obwohl es in den Jahren bis zu seiner Entdeckung mehrmals den Besitzer gewechselt hatte. Der Versuch, die Entstehung der Fotografien zurück zu verfolgen, blieb bisher erfolglos. Das Archiv besteht aus insgesamt ca. 950 Polaroids. Bis auf eine Handvoll davon sind alle beschriftet: in den meisten Fällen findet sich der Name der Schauspielerinnen auf dem unteren Bildrand; in einigen Fällen sind der Titel des Films oder der TV-Serie auf dem oberen Bildrand eingetragen; in wenigen Fällen wurden die Körpermaße der Frauen auf dem oberen und die Namen auf dem unteren Bildrand festgehalten.

Die Fotografien zeigen überwiegend verzerrte, leicht verwackelte, gelegentlich verpixelte und verschwommene Kopfaufnahmen von Schauspielerinnen wie sie auf dem Bildschirm jeweils vor dunklem Hintergrund erschienen. Auf einigen Fotografien erscheint der gesamte Körper in ambivalenten Szenen. Bei den mit Filmtiteln versehenen Fotografien herrschen Science Fiction Filme und B-Movies vor. In einigen Fotografien ist der Rahmen des Bildschirms auch der Rahmen für das fotografierte Subjekt – eines der bemerkenswerten ästhetischen Elemente dieser Sammlung.

Die Fotografien wurden wahrscheinlich zwischen 1969 und 1972 aufgenommen. Weitere Recherche wäre notwendig, um eine genauere Datierung zu ermitteln. Wahrscheinlich wurden sie ohne die Hilfe eines Aufnahmegerätes aufgenommen, da sie in einer Zeit entstanden, in der die breite Öffentlichkeit noch keinen Zugang zum Videorecorder hatte. Eine Durchsicht des Archivs zeigt deutlich, dass der Fotograf keine Mühen scheute, spezifische Momente dieser TV-Shows und –filme „live“ und in Echtzeit festzuhalten. Man kann nur erahnen wie viele Fotos gemacht wurden um das finale „Type 42“ - Polaroid zu erhalten. Der Name "Type 42" bezieht sich auf das Filmmaterial, mit dem dieses anonyme Werk fotografiert wurde. Es ist ein Polaroid-Film, der 1955 auf dem Markt erschien, dessen Produktion jedoch im Jahre 1992 eingestellt wurde.

Mit dieser Ausstellung führt die Galerie Susanne Zander ein Ausstellungstrilogie fort in der Arbeiten von Künstlern gezeigt werden über die wir wenig oder gar nichts wissen. Die künstlerische Arbeit steht in ihrer Qualität und Eigenständigkeit hier im Vordergrund. Es gibt keine Künstlervita und der Betrachter wird unmittelbar mit dem Werk konfrontiert.

Die Anonymität in der Kunstgeschichte ist kein Novum: in der Vorgeschichte ist der anonyme Künstler die Regel. Signiert wird selten. Bei den altniederländischen Meistern wird erst durch Vergabe eines stellvertretenden "Notnamens" der Künstler anhand seines Stils einem Werkkatalog zugeordnet. Es ist der erste Versuch dem ansonsten nur als anonym zu sehenden Künstler eine individuelle Persönlichkeit zu geben und seine eigenständige meisterhafte Kunstfertigkeit und Stil anzuerkennen. Der "Meister des Bartholomäus Altars" (Alte Pinakothek) oder der "Meister von Flémalle" (Städel Museum) sind hierfür bekannte Beispiele. Erst in der Neuzeit, mit dem Übergang zu einer bürgerlichen Gesellschaft befreit von Kirche und Adel, wird die Identität des Künstlers in seiner Rolle neu überdacht. Der Personenkult, geprägt durch den Geniebegriff, wird als Markenzeichen gepflegt; die Biographie wird Bestandteil des Künstlermythos.

Mit der Ausstellungstrilogie „artist unknown“ wagt sich die Galerie erneut an Grenzgebiete der Kunst heran und hebt dabei die konzeptionellen Ansätze der sogenannten Outsiderkunst hervor.

"artist unknown #1: Martina Kubelk" (17.01. - 08.02.2014)
"artist unknown #2: William Crawford" (14.02. - 29.03.2014)
“artist unknown #3: Type 42 (Anonymous)” (11.04. - 05.06.2014)